Führungen durch das Museum finden jeden Sonntag von 14.30 bis 15.45 Uhr statt

exul per decem annos"

Als Candid Huber am 15. Juni 1813 starb, war er seit zehn Jahren heimatlos - "exul per decem annos", so die Worte seiner selbstverfassten Grabinschrift in Frauenberg bei Landshut. Die Säkularisation hatte ihm den Abschied vom Klosterleben aufgezwungen - eine Zäsur, die er nie verwinden konnte.

Die Spuren, die er uns als botanisierender Mönch hinterlassen hat, sind kostbar und vielfältig. Am 4. Februar 1747 als Sohn eines Melbers (Mehlhändler) in Ebersberg geboren, durchlief Mathias Huber die klassische höhere Schulbildung eines musikalisch begabten Kindes aus der katholischen Landbevölkerung: zunächst Chorknabe, dann Jesuitenschüler am Gregorianum in München, Studium der Musik und Präfekt in Passau, schließlich sein Entschluss zum Eintritt in den Benediktinerorden von Niederaltaich, ein Ort von damals hervorragendem wissenschaftlichen Ruf.

Es folgte nach einem Studium der Theologie im Jahr 1772 die Priesterweihe. Als Hilfsgeistlicher in Regen am Rande des Bayerischen Waldes begann Candid Huber mit seinen Studien über Wald- und Obstgehölze, war zugleich Seelsorger, Ökonom und "forstwirtschaftlicher Entwicklungshelfer", er suchte Gott auch in der Natur und war landwirtschaftlicher Aufklärer aus Leidenschaft. Seine nützlichen Kenntnisse in der Botanik waren im Jahr 1784 der Grund für seine Berufung als Pfarrvikar zunächst nach Oberndorf und ein Jahr später nach Ebersberg, um den vernachlässigten Waldbesitz der Malteser zu ordnen. Hier an seinem Heimatort begann Candid Huber mit der Herstellung seiner ersten Holzbibliothek, einem Kompendium von über 100 Holzarten, Büchern gleich, angefertigt ganz im Sinn des Carl von Linné, des Altmeisters biologischer Systematik und Klassifikation. Einen Erläuterungstext zu seiner Holzbibliothek lieferte Candid Huber mit seinem Buch "Naturgeschichte der vorzüglichsten baierischen Holzarten".


Vollständige Naturgeschichte

Im Jahr 1799 wurde ihm von seinem Kloster das Amt des Waldmeisters auf der Rusel übertragen, von wo er durch die Säkularisation 1804 wieder vertrieben wurde. In Niederviehbach, der vorletzten Station seines Lebens, setzte er seine Sammlertätigkeit fort, legte einen Schulgarten an und schrieb die "Vollständige Naturgeschichte", die als Lehrbuch eine beachtliche Auflage erfuhr. König Max I. Joseph überreichte ihm für dieses Werk die große goldene Verdienstmedaille "pro Ingenio et Industriae". Im Jagdschlösschen des Grafen Törring-Jettenbach nahe Landshut verbrachte Candid Huber, bereits geschwächt durch Alter und Krankheit, die letzten Jahre seines Lebens. Den Einsiedler von Stallwang verließen schließlich seine Kräfte, sein Freund Johann Michael von Sailer hat ihn die letzten Stunden bis zu seinem Tod begleitet und ihm die Grabrede gehalten.

Dass man zur Beisetzung des gelehrten Mönchs die Bestellung des Sarges vergessen hatte, deutete sein Freund Franz von P. Schrank mit folgenden Worten: "Es war, als hätten sich die Bäume des Waldes geweigert, für den, der für sie lebte und schrieb, die nötigen Bretter zu liefern". Heute erinnert noch eine schlichte Tafel an der Kirche zu Frauenberg an den botanisierenden Mönch, der von seinen Zeitgenossen "Holzherrle" genannt wurde. Seine Heimatstadt Ebersberg hat ihrem berühmten Sohn eine Straße gewidmet und im Waldmuseum auf der Ludwigshöhe sind seine hölzernen Bücher als kulturgeschichtliche Raritäten zu bewundern.